Nutzungsrechte: Was es zu beachten gibt

Am Thema Nutzungsrechte scheiden sich die Geister: Wenn ein Fotoshooting für ein Magazin bezahlt ist, warum kostet es dann noch einmal extra, dasselbe Foto in einem Newsletter zu verwenden? Vereinfacht ausgedrückt könnte man antworten: Der Stundenlohn für ein Shooting ist vergleichsweise gering. Was in die Kalkulation mit einfließt, ist die Wertschöpfung eines Fotos – und sie ist eben an die Art der Nutzung gekoppelt.

Einfach/ausschließlich
Das bedeutet, dass Kunde und Urheber ein Foto gleichzeitig nutzen können. Direkt nach einem Termin kann ein Fotograf seine Bilder also zur Eigenwerbung auf seine Website laden oder sie potenziellen anderen Kunden anbieten und verkaufen. Will ein Auftraggeber dies nicht, muss er ein Foto „ausschließlich“ erwerben. Dieses ausschließliche Nutzungsrecht kann er durch eine Sperrfrist zeitlich begrenzen, zum Beispiel auf den Tag der Magazin-Veröffentlichung oder einen Monat danach, gängig sind auch sechs Monate. Je restriktiver die Einschränkungen für den Fotografen, desto mehr wird er in der Regel als Honorar verlangen.

Zeitlich beschränkt/unbeschränkt
Bei diesem Recht geht es darum, wie lange ein Kunde ein erworbenes Foto verwenden darf. Das betrifft vor allem die Veröffentlichung auf einer Website, in einer App oder auf anderen digitalen Wegen. Ein Fotograf könnte also ein einjähriges Nutzungsrecht für die Verwendung eines Fotos auf einer Website erteilen. Nach Ablauf dieses Jahres müsste das Foto wieder von der Website verschwinden. Ein Druckerzeugnis – zum Beispiel ein Flyer – dürfte nach einem Jahr nicht weiter vertrieben werden. Ein zeitlich beschränktes Nutzungsrecht zieht für Kunden jedoch einen so hohen administrativen Aufwand nach sich, dass es sich meistens lohnt, zeitlich unbeschränkte Nutzungsrechte zu erwerben; für ein etwas höheres Fotografenhonorar.

Räumlich begrenzt/unbegrenzt
Erscheint das Magazin eines Verbands nur in einem Bundesland – oder deutschlandweit? Wird es darüber hinaus vielleicht international ausgerollt? Mit dieser Frage beschäftigt sich das räumliche Nutzungsrecht. Auch hier gilt: Je größer das Verbreitungsgebiet, desto höher ist in der Regel das Honorar – immerhin wird ein Foto dadurch häufiger reproduziert/gedruckt.

Inhaltlich beschränkt/unbeschränkt
Es macht einen Unterschied, ob ein Foto in einem Corporate-Publishing-Magazin erscheint oder ob es für eine Werbeanzeige genutzt wird (nicht kommerzielle beziehungsweise kommerzielle Nutzung). Denn aus Werbung erzielt ein Kunde einen unmittelbaren Gewinn. Und die bloße Printnutzung wäre faktisch für einen Kunden günstiger als eine Nutzung in Print- und Onlinemedien – selbst wenn die Inhalte in beiden Kanälen die gleichen sind.
Das inhaltlich beschränkte Nutzungsrecht überschneidet sich mit dem Thema Persönlichkeitsrechte: Vielleicht hat ein Fotograf von einem Porträtierten die Einverständnis bekommen, ein Foto in journalistischem Kontext zu verwenden – nicht aber für Werbezwecke? In diesem Fall würde er folglich nur inhaltlich begrenzte Nutzungsrechte erteilen – und zwar nur für redaktionelle Nutzung (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie dieser langwierige Prozess zwischen Oskar Lafontaine und Sixt zeigt).

Titelfoto: Johannes Kühner

 

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