Fototermin: So stressig ist Facebook

Zeitdruck – den gebe es bei jedem Termin, sagt Fotograf Lucas Wahl. „Darum ist die Vorbereitung das A und O.“ Der Hamburger kommt am Telefon in Plauderlaune, verrät, warum er beim knipsen laut lobt und wieso ein Fototermin mit der Facebook-Topmanagerin Sheryl Sandberg fast gescheitert wäre.

Lucas, es gibt das Bild des rasenden Reporters. Wie ist der Berufsalltag eines Fotografen?

Zeitdruck hast du in dem Geschäft eigentlich immer. Insbesondere bei redaktionellen Terminen, also bei Aufträgen für Zeitungen und Magazine. Es gibt Abgabedaten und manchmal sogar Abgabeuhrzeiten. Ich habe mich daran gewöhnt. Darum ist die Vorbereitung das A und O, damit du auch unter Zeitdruck abliefern kannst. Ich checke vor jedem Job meine Akkus und Speicherkarten. Als ich angefangen habe, war ich bei Terminen nervös, aber im Laufe der Jahre hat sich das gelegt, ich habe dazugelernt, vor allem: auch in hektischen Situationen besonnen zu bleiben. Das schafft eine gute Atmosphäre, und die ist wichtig beim Fotografieren.

Manche Menschen sind nervös oder fühlen sich unwohl vor der Kamera. Wie versuchst du die Situation aufzulockern?

Es geht um Atmosphäre, darum, dass Fotograf und Fotografierter eine Ebene zueinander finden. Ein kurzes Kennenlernen, Small Talk, das baut Barrieren ab und erleichtert die anschließende Arbeit ungemein. Ich lobe viel, während ich fotografiere. Das klingt für Außenstehende albern, gibt dem Menschen vor der Kamera aber Sicherheit.

Ist ein Termin trotz guter Vorbereitung schon einmal schiefgelaufen?

Es war nicht die große Katastrophe, aber brenzlig. Vor zwei, drei Jahren sollte ich die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg für ein FAZ-Interview („Frankfurter Allgemeine Zeitung“; Anm. d. Red.) ablichten. Die hatte ein Buch geschrieben und war damit gerade auf Deutschlandtour. Ich war pünktlich, musste aber dennoch warten, da sie noch mit Kollegen im Gespräch war. Als der Redakteur und ich dann an der Reihe waren, hieß es, ich müsse während des Interviews draußen bleiben, weil der Fotograf zuvor Frau Sandberg genervt habe. Als die Tür dann wieder aufging, wollte Frau Sandberg einfach gehen, sie habe keine Zeit mehr, sagte ihr Sprecher. Perplex und geistesgegenwärtig zugleich sprach ich sie direkt an, dass sie doch wohl eine Minute Zeit für mich übrig hat, schließlich war der Termin verabredet. Sie schaute mich verdutzt an und sagte Okay. Hätte ich nicht interveniert, wäre ich ohne Bilder nach Hause gegangen.

Sind die Bilder in der Kürze der Zeit etwas geworden?

Sagen wir es so: Einen Preis hätte ich damit sicher nicht gewonnen, aber einen gewissen Qualitätsstandard hatten sie. Wie gesagt, ich lege Wert auf die Vorbereitung. Darum versuche ich bei einem Termin, eine halbe Stunde früher da zu sein. So kann ich in Ruhe Location und Lichtverhältnisse checken sowie zwei, drei geeignete Stellen zum fotografieren suchen.

Wie viele Fotos schießt du bei einem Job?

Da gibt es keine exakte Anzahl. Dein Auftraggeber brieft dich vorher und sagt dir, welche Einstellungen er braucht. Da die Situation vor Ort aber nicht selten eine andere ist als erwartet, biete ich Alternativen. Neben dem gewünschten Bild im Querformat liefere ich dann noch eines im Hochformat. Ich probiere viele Varianten aus, um eine größtmögliche Bandbreite zu liefern. Am Ende freut das den Auftraggeber und spricht für dich als Fotografen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Titelfoto: Lucas Wahl

 

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Zur Person:

Lucas Wahl lebt und arbeitet als Fotograf in seiner Heimatstadt Hamburg. Er arbeitet im Editorial- und Corporate-Bereich für verschiedene Kunden und ist froh, einen so vielseitigen Job zu haben.

www.kollektiv25.com