Vorspeise Editorial

Das Editorial ist ein erster kleiner Snack, der vor allem Appetit auf das Heftinnere machen soll. In Corporate-Magazinen sorgt das Vorwort aber häufig für Bauchschmerzen. Unsere Tipps für gute Editorials.

„Sehr geehrte/-r Leser/-in, Sie halten die nunmehr dritte Ausgabe unseres Firmenmagazins in den Händen und ich bin stolz, an dieser Stelle berichten zu können, dass unsere Titelstory über unser neuestes Premiumprodukt auf Seite vierzehn mehr als gelungen ist“ und so weiter und so fort. Wenn ein Hefteinstieg so beginnt, dann wissen Sie, dass die folgenden Seiten ähnlich blutleer daherkommen und es nicht wert sind, gelesen zu werden.

Das ist schade für Sie als Leser, der sich auf eine anregende Lektüre gefreut hat und doppelt schade für ein Unternehmen. Denn es hat viel Geld in ein eigenes Kundenmagazin investiert, das am Ende nicht gelesen wird, weil schon der Anfang keinen Spaß macht, und es hat die große Chance vertan, Sie als treuen Leser und Kunden zu gewinnen. So was nennt man dann eine klassische Lose-lose-Situation.

So viel, wie in einem Editorial schiefgehen kann – zu viele Lobgesänge auf das eigene Unternehmen, das Intro gleicht mehr einem zweiten Inhaltsverzeichnis, trockene Aneinanderreihung von Fakten –, so viel kann aber auch richtig laufen.

5 Tipps für gute Editorials:

  1. Betrachten Sie das Editorial als eine Art Vorspeise, die dem Leser gereicht wird, um ihm Lust auf mehr zu machen. Geben Sie sich also bei der Zubereitung Mühe. Versuchen Sie, den Nerv Ihrer Leserschaft zu treffen und diese persönlich anzusprechen. So verleihen Sie dem Magazin eine einzigartige Note und stärken im Idealfall die Leser-Blatt-Bindung.
  2. Schreiben Sie ein Editorial im amerikanischen Sinn des Wortes (Leitartikel) und nicht im deutschen (Vorwort).
  3. Das Editorial ist kein Inhaltsverzeichnis, das meist später folgt. Ein Verweis auf Beiträge im Magazin bietet sich also nur an, wenn inhaltlich zum Beitrag eine Stellung bezogen wird, die gegenüber dem Inhalt des Beitrags selbst etwas Neues bringt.
  4. Werden Sie persönlich: Gehen Sie in sich und lassen Sie den Leser an Ihren Erfahrungen teilhaben. Mit einer Anekdote geben Sie persönliche Einblicke. Werfen Sie kontroverse Fragen auf, mit denen sich der Leser direkt angesprochen fühlt. Überraschen Sie Ihre Leser mit neuen Ansichten über altbekannte Themen. Auch das bewusste Provozieren sorgt für Aufmerksamkeit.
  5. Vergessen Sie nie: Das Editorial ist ein wichtiger Bestandteil eines jeden Magazins, eine persönliche Begrüßung und Einladung weiterzublättern. Denken Sie daher vom Leser aus, nehmen Sie seine Perspektive an. Wenn Sie wissen, was er mag, dann dürften Bauchschmerzen beim Vorwort der Vergangenheit angehören.

 

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